Die Chronik des Paulusheims 2014 bis 2018

Der ökumenische Arbeitskreis Asyl & Zuflucht

(Ev. Trinitatiskirchengemeinde Bonn und Kath. Pfarrgemeinde St. Maria Magdalena)

Chronik und Geschichten der Flüchtlingshilfe

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2014  bis  2018

Chronik

November 2013:

Einige Presbyter der Trinitatiskirchengemeinde Bonn und Pfarrer Uwe Grieser treffen sich, um zu beraten, wie die Gemeinde bei der Suche nach Wohnraum für Geflüchtete auf eine Anfrage der Sozialdezernentin der Stadt Bonn, reagieren und helfen könne. Gemeindeeigener Wohnraum steht nicht zur Verfügung. Aber man gibt den Hinweis weiter, dass das Paulusheim in Endenich zu diesem Zeitpunkt leer steht und möglicherweise als Unterkunft dienen könnte.

 

2014

Im Januar 2014, in einer der ersten Sitzungen des Arbeitskreises erklärt die „Initiative für das Paulusheim“, die sich gegen eine Schließung und den Umzug der Bewohnerinnen und Bewohner aus dem Seniorenheim 2013 eingesetzt hatte, dass sie die Nutzung als Flüchtlingsheim unterstützen werde.

Pfarrer Uwe Grieser und Pastor Alfons Adelkamp von der katholischen Pfarrgemeinde St. Maria Magdalena vereinbaren, dass die beiden Gemeinden in Endenich die Flüchtlingsarbeit in einem gemeinsamen ökumenischen Arbeitskreis leisten wollen.

Beginn der regelmäßigen monatlichen Treffen des ökumenischen Arbeitskreises unter Leitung von Uwe Grieser und Diakon Werner Preller.

Im Februar/ März wird vom ökumenischen Arbeitskreis ein offener Brief (mit Fragebogen) an die Endenicher Bevölkerung verteilt, um zu informieren, weitere Unterstützung für die Arbeit des Arbeitskreises zu gewinnen und eine Möglichkeit zu geben, Vorschläge und Hilfsangebote zu machen.

Anwohner des Paulusheimes finden in ihren Briefkästen Flugblätter von „Pro NRW“, auf denen vor einem drohenden Anstieg der Kriminalität durch Zuzug von Geflüchteten gewarnt wird.

Die Stadt Bonn veranstaltet in der Trinitatiskirche eine Veranstaltung zur Bürgerinformation über die Unterbringung von zunächst 120 Geflüchteten im Paulusheim Bonn. Die Veranstaltung ist sehr gut besucht, die Diskussion lebhaft. Die Atmosphäre ist angespannt. Unter den Teilnehmern sind Personen aus dem rechten Spektrum, die mit Fragen und Bemerkungen gezielt Ängste in Bezug auf das Flüchtlingsheim schüren.

Im März Beginn der Sachspendensammlung über die Gemeinden, zunächst Sammlung der Spenden in der ehemaligen Kapelle des Paulusheimes.

Ein Termin zur Ortsbesichtigung im Paulusheim für die Bürger Endenichs unter Führung städtischer Mitarbeiter wird gut besucht.

Im April Einzug der Bewohner ins Paulusheim. Ein Plakat als Willkommensgruß in vielen Sprachen wird von ehrenamtlichen Mitarbeitern im Foyer des Paulusheims aufgehängt. Vor dem Paulusheim hängen Plakate von Pro NRW mit fremdenfeindlichen Parolen. Mitglieder des ökumenischen Arbeitskreises und andere Bürger hängen weitere Plakate mit Willkommensgrüßen vor und in dem Paulusheim auf.

Die Stelle für ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) bei der Diakonie-Stiftung RAT & TAT der Trinitatiskirchengemeinde wird für die Flüchtlingshilfe zur Verfügung gestellt. Eine erste FSJlerin beginnt im Mai 2014. Sie ist im Paulusheim präsent, erfasst Probleme, nimmt persönlichen Kontakt zu den Bewohnern auf.

Die Sachspendenausgabe in der Kapelle wird auf Betreiben der Stadt mit der Begründung „Raummangel“ nach einigen Wochen eingestellt.

Es entstehen erste Patenschaften und Deutsch-Lerngruppen.

Zum ökumenischen Kirchenfest werden die Bewohner des Paulusheimes eingeladen (Frei-Bons) und vor allem die Familien kommen gerne. Beeindruckend ist eine spontane Darbietung von zwei Ägypterinnen, die sich mit ihrem Gesang koptischer Lieder für die Einladung bedanken. Andere danken spontan durch die tatkräftige Hilfe beim Abbau der Stände am Abend.

In den Sommerferien findet ein ehrenamtlich organisiertes Sommerferien-Programm über sechs Wochen im Paulusheim statt (Spielen, Basteln, Eis-Essen, Ausflüge…). Zur Vorbereitung der Einschulung werden Schultüten gebastelt.

Studenten fangen an, mit Fußball spielenden Bewohnern zum Fußballplatz im Endenicher Park zu gehen. Die sich hieraus ergebende Gruppe wird in den folgenden Jahren stetig wachsen und besteht über die Schließung des Paulusheims hinweg.

Das Angebot zum Public Viewing in der Trinitatisgemeinde bei der Fußball-WM führt zu ersten fröhlichen, respektvollen Begegnungen von geflüchteten und hiesigen Fußball-Fans. Bei diesem ersten Kennenlernen überwiegt die nonverbale Kommunikation.

Erstes Begegnungscafé im Paulusheim. Eingeladen sind Bewohner, aktive Ehrenamtliche sowie alle potentiell Interessierten. Bei dieser und auch allen weiteren Begegnungscafés werden Kontakte geknüpft, Patenschaften vermittelt und Schach gespielt.

Im Herbst 2014 finden die ersten Aktionen zur Wohnungssuche für Flüchtlinge statt.

Erste Interview-Anfragen an die Vertreter des Arbeitskreises durch regionale Medien.

Ab etwa Herbst 2014 werden regelmäßig Experten zum Thema Flucht und Integration sowie zur Rechtsberatung zu den Arbeitskreistreffen eingeladen, z.B. die Integrationsbeauftragte der Stadt Bonn, Verantwortliche aus dem Sozial- und Wohnungsamt, vom Jobcenter und auch Anwälte. Sie vermitteln den Ehrenamtlichen Fachwissen und Hintergrundinformationen, die die Ehrenamtlichen im Umgang und in der Betreuung der Geflüchteten rüsten.

Beginn einer Kooperation mit dem Rheinischen Landesmuseum Bonn. Unterschiedlichen Kindern, etwa im Alter von 6 bis 14 Jahren, wird die Möglichkeit gegeben, an den museumspädagogischen Wochenend- und Ferienprogrammen teilzunehmen. Über die Zeit werden ca. 95 Kinder (interessierte Kinder auch mehrfach) an den Programmen teilnehmen, deren reduzierte Teilnehmerbeiträge über Spenden vom Arbeitskreis Asyl & Zuflucht finanziert werden. Im weiteren Verlauf werden sowohl eine syrische Mutter als auch eine kurdische Jugendliche als regelmäßige Helferinnen an den Programmen mitwirken.

Beginn der Sachspendensammlung „ohne Raum“ mit Lagerung in privaten Wohnungen und Ausgabe von Wintersachen (Schuhe, Jacken, Pullover) aus Kisten in der Eingangshalle oder direkt an Bewohner (Kindersachen). Großes Bemühen gegenüber den Verantwortlichen der Stadt Bonn, um einen Raum für die Einrichtung einer Kleiderkammer zu bekommen.

Beginn intensiver Suche nach Kühlschränken und Kleinmöbeln, die den Bewohnern für ihre Zimmer zur Verfügung gestellt werden

Beginn der Verteilung von Kinderfahrzeugen und Fahrrädern, zunächst kostenfrei. Ehrenamtliche Unterstützung, diese verkehrstauglich zu halten, formiert sich.

Im Dezember erschüttert die Erfahrung der ersten Abschiebung (Familie mit vier Kindern) den Arbeitskreis, Gespräche mit der Stadt und Vertretern des Ausländeramtes werden geführt.

Erste gemeinsame Weihnachtsfeier, erste große Geschenkaktion für die Kinder (Lions Club Bonn), wie in den folgenden Jahren dann auch. In den Adventstagen vor der Feier findet jedes Jahr, beginnend 2014, eine große Backaktion mit den Kindern des Paulusheimes statt.

 

2015

Im Frühjahr beginnt der Kleiderstuben-Aufbau. Es formiert sich eine Untergruppe, die Kleiderstubengruppe, die nun in eigenen Sitzungen die Organisation der Spendenannahme und -abgabe sowie die Entsorgung von nicht geeigneten Spenden selbstständig organisiert.

Organisation der ersten Umzüge, bereits jetzt unter aktiver Unterstützung der Geflüchteten, trotz noch erheblicher Sprachbarrieren.

Beginn der gezielten Möbelspendenakquise (Recherche bei Spendenbörsen im Internet) und Koordination von Terminen für Wohnungsräumungen sowie die tatkräftige Abholung von unzähligen Kühlschränken, Möbeln und Teppichen bei Spendern sowie Weitergabe und Lieferung an empfangende Geflüchtete im privaten Wohnraum.

Regelmäßige Begegnungscafés im Paulusheim (ab jetzt ca. sechsmal im Jahr) erreichen regelmäßig Bewohner und ehrenamtlich Tätige.

Erste Versuche, Paulusheim-Bewohner in berufsvorbereitenden Programmen unterzubringen, sind erfolgreich, erste Kontaktaufnahmen mit Jobcenter und dem neu eingerichteten Integration-Point (Rochusstraße Bonn) werden geplant.

Eine Bundesfreiwilligen-Kraft (April bis Dezember 2015) der Diakonie-Stiftung RAT & TAT unterstützt tatkräftig. Ihr Einsatz fällt in die Zeit, in der das Paulusheim zunehmend überbelegt wird. Gerade ihre Präsenz im Haus und ihre Ansprechbarkeit sind für Ehrenamtliche und Bewohner äußerst hilfreich.

Zwei Jugendliche aus Ägypten und Albanien sind die ersten aus dem Paulusheim, die an einem Sommerferiencamp der Jugendakademie Walberberg teilnehmen, finanziert über Spenden an den Arbeitskreis Asyl & Zuflucht. Im weiteren Verlauf bis 2018 werden insgesamt 35 Jugendliche, durch Vermittlung und Ermutigung des Arbeitskreises an den Deutsch-Lern- und Begegnungs-Camps in Walberberg teilnehmen.

Erneute Einladung (Bereitstellung von Frei-Bons) der Paulusheimbewohner zum ökumenischen Kirchenfest.

Erneut Angebot eines Ferienprogramms in Kooperation mit dem Jugendzentrum am Propsthof (JAP) Endenich, dem Rheinischen Landesmuseums Bonn, dem Frauenmuseum, den städtischen Angeboten, dem Summer-Camp der amerik. Gemeinde Bonn. Zusätzlich ehrenamtlich organisiertes Sommerferien-Programm über sechs Wochen im Paulusheim (Spielen, Basteln, Eis-Essen, kleine Ausflüge, organisiert durch viele Helfer, Musikschule, freiwillige Feuerwehr…). Durch diese Angebote entwickelt sich ein guter und vertrauensvoller Umgang der aktiven Ehrenamtlichen mit den Eltern der teilnehmenden Kinder.

Im August gerät ein Bewohner in eine psychische Ausnahmesituation, die zu einem Polizei-Einsatz führt. Im Nachhinein stellt sich heraus, dass eine organische Erkrankung ursächlich für die Situation war, nach einer stationären Behandlung kann der Bewohner als psychisch und physisch gesund aus der ärztlichen Betreuung entlassen werden.

Im Herbst rasche Zunahme der Zahl der Bewohner, aus Zweibett- werden Dreibett-Zimmer, Familien mit bis zu fünf Personen werden in einem Raum untergebracht. Die maximale Belegung des Paulusheimes mit bis zu 270 Personen wird erreicht. Die Notbetten in der Kapelle werden jetzt öfters über Nacht mit Personen belegt, die kurzfristig unterzubringen sind und in der Regel am Folgetag in andere Unterkünfte verlegt werden.

Die Spendenbereitschaft der Bevölkerung hält an, die Organisation der Kleiderkammer ist intensiv bemüht, tragfähige Strukturen zu schaffen. Es werden allmählich durch die Stadt weitere Räume als Lagerfläche zur Verfügung gestellt.

Nicht nur die Durchführung praktischer Tätigkeiten in der Flüchtlingshilfe, sondern auch die Organisation und Verwaltung von Informationen, das Aufrechterhalten von Kontakten zu anderen aktiven Gruppen und städtischen Stellen sowie die Beantwortung unzähliger Anfragen erfordert zunehmend Zeit und Engagement ehrenamtlicher Helfer.

Im Herbst Computerspende durch den Lions-Club Bonn, die Geräte werden unter den Flüchtlingen verteilt. Parallel hierzu finden durch Arbeitskreismitglieder intensive Bemühungen statt, um die Einrichtung eines funktionierenden  WLans zu ermöglichen, was erst nach großen Schwierigkeiten technischer und juristischer Art durch die Hilfe der Freifunker Köln-Bonn gelingt.

Organisiert durch den Arbeitskreis findet der erste anerkannte Sprachkurs beim DAAD (Deutscher Akademischer Austauschdienst) für 15 Bewohner statt, co-finanziert durch die Evangelische Kirche im Rheinland.

Mehrere jugendliche Bewohner warten zu dieser Zeit bis zu vier Monaten auf einen Platz in einer internationalen Klasse in einer weiterführenden Schule, eine ähnliche Situation findet sich im Bereich der Kindergärten. Die Matthias-Claudius-Schule in Endenich nimmt bis an die Grenze des Möglichen Kinder auf (zwei Internationale Klassen), erste Paulusheimkinder müssen auch in die Grundschule in Poppelsdorf ausweichen.

Es beginnt die halbtägliche Kinder- (vormittags)- und Jugendbetreuung (nachmittags/abends), die durch städtische Mitarbeiter im Paulusheim vorgenommen wird.

Nach mehrfachen personellen Wechseln im Bereich der städtischen Leitung des Paulusheims gibt es nun erstmalig eine konstante Ansprechpartnerin (Amt für Soziales und Wohnen) mit zuverlässigen Präsenzzeiten. Im Verlauf entwickelt sich ein sehr gutes, vertrauensvolles Miteinander der Ehrenamtlichen des Arbeitskreises und der städtischen Leitung im Paulusheim.

Anlässlich des ökumenischen Kirchenfestes werden Portraits von drei Geflüchteten (Foto und Interview) erstellt, die anschließend auch im Gemeindeschaukasten und im Generalanzeiger Bonn veröffentlicht werden.

Der Arbeitskreis kann durch Kontakt zum Postsportverein Bonn erstmalig einen Ferien-Schwimmkurs organisieren. Auch bei einer Wiederholung einige Monate später sind die Plätze bei den 10 – 14-Jährigen, sowohl bei den Mädchen als auch bei den Jungen, sehr begehrt.

Systematisch erhebt ein Endenicher Kinderarzt (Mitglied des Arbeitskreises) nach Rücksprache mit dem Gesundheitsamt den Impfstatus der Kinder, um Impflücken zu schließen (weiterhin regt er dies erfolgreich für alle anderen Heime in Bonn an).

Erneut wird eine sehr schöne gemeinsame Weihnachtsfeier gestaltet.

 

2016

Von Januar bis April findet ein mehrwöchiges Praktikum inklusive Sprachkurs statt, das in Kooperation mit der gemeinnützigen PAUKE Bonn gGmbH organisiert wird und das mehrere Bewohner des Paulusheimes erfolgreich absolvieren.

Im Januar besucht eine internationale Delegation (Gäste der Synode der Evangelischen Kirche im Rheinland) die Trinitatisgemeinde, um etwas über die Arbeit des Arbeitskreises Asyl & Zuflucht zu erfahren. Gemeinsam berichten ehrenamtlich Aktive sowie Geflüchtete über ihre Erfahrungen und die Entwicklung im Paulusheim.

Das Erzbistum Köln stellt Geld zur Verfügung, um erstmalig eine Ehrenamtskoordinatorin mit einer Viertelstelle für ein Jahr zu finanzieren. Nach Ablauf dieser Zeit wird diese Stelle für weitere 12 Monate durch eine Förderung der rheinischen Landeskirche, Spendengelder und die Unterstützung von RAT & TAT weiterfinanziert.

Im Frühjahr wird die Einrichtung einer Wohnungssprechstunde begonnen, in der Geflüchteten einmal wöchentlich gezielt Informationen über Bewerbungen bei Wohnungsbau-Genossenschaften, über den Wohnberechtigungsschein zur Verfügung gestellt wird.

Wieder findet ein Ferien-Schwimmkurs in Kooperation mit dem Postsportverein statt.

Die Ausgabe von Fahrrädern wird nun gegen eine geringe Gebühr durchgeführt, jeder erhält zu seinem Fahrrad ein Schloss dazu. Die Räder sind zuvor durch Ehrenamtliche in einen möglichst guten Zustand versetzt worden.

Am zweiten anerkannten Sprachkurs beim DAAD (Deutscher Akademischer Austauschdienst) nehmen 18 Bewohner teil, wieder über den Arbeitskreis organisiert und co-finanziert durch die Evangelische Kirche im Rheinland.

Beim ökumenischen Kirchenfest sind wieder viele Paulusheim-Bewohner dabei, auch bereits ausgezogene Geflüchtete nutzen die Gelegenheit, ihre Endenicher Bekannte und Freunde wieder zu treffen.

Erneut kann eine FSJ-Stelle von März bis August über die RAT & TAT-Stiftung finanziert werden. Eine junge Frau bereichert das Kernteam im Haus und unterstützt schwerpunktmäßig Familien bei organisatorischen Fragen und Wegen und hilft in der Wohnungsgruppe.

Seit September 2016 findet nun regelmäßig wöchentlich eine Fahrradwerkstatt am Paulusheim statt. Ehrenamtliche stellen Material, Werkzeug und bei Bedarf Know-how zur Verfügung, repariert wird in der Regel durch die Fahrradbesitzer selbst. Einige Bewohner nutzen diese Gelegenheit auch, um sich zu beschäftigen, und helfen Anderen tatkräftig.

Aufbau und Organisation einer Nähstube, nachdem im Paulusheim ein Raum hierzu zur Verfügung gestellt wurde. Eine zweckgebundene Großspende finanziert die Erstausstattung, gespendete Nähmaschinen werden fachmännisch gewartet, Material und ehrenamtliche Mitarbeiter werden organisiert. Das Projekt entwickelt sich neben der Kleiderstube zu einem wichtigen sozialen Treffpunkt für erfahrene und unerfahrene Näher und Näherinnen, gespendete Kleidung wird passend gemacht, kleine individuelle Werke werden hergestellt.

Ab Oktober werden monatlich zweisprachige Kinovorstellungen im Programmkino Rex Endenich, organisiert von der Ehrenamtskoordinatorin und einer Mitarbeiterin des Diakonischen Werkes Bonn und Region organisiert. Anschließend findet oft zum gemeinsamen Austausch noch ein Kaffeetrinken im Paulusheim oder in einer der Endenicher Gemeinden statt.

Im Sommer finden im Rahmen der Zurich Community-Week ein durch die Mitarbeiter der Zurich-Versicherung organisiertes und gesponsertes Programm mit Sportaktivitäten, gemeinsamem Besuch von Sportveranstaltungen sowie die gemeinsame Anlage eines Hochbeetes im Paulusheimgarten statt.

Das Public Viewing in der Trinitatisgemeinde bei der Fußball-EM wird rege von Bewohnern des Paulusheimes sowie anderer Endenicher Anwohner angenommen.

Ein Arbeitskreismitglied nimmt Kontakt zur Firma „Unitymedia“ auf, durch ein Firmenangebot für Geflüchtete kann das Breitband-Angebot im Paulusheim deutlich verbessert werden.

Anlässlich des „Tages der Schöpfung“ im September findet im Park des Paulusheimes ein Ökumenischer Gottesdienst statt, zu dem neben den evangelischen und katholischen Geistlichen auch ein geflüchteter Muslim einen Beitrag beisteuert.

Ein Priesteramtskandidat der Gemeinde St. Maria-Magdalena unterstützt seit dem Sommer den Arbeitskreis mit einem großen Anteil seiner Arbeitszeit. Ab Herbst fördert er gezielt Schülerinnen und Schüler der weiterführenden Schulen in Mathematik und Englisch, um sie auch in diesen Fächern fit für die Regelklassen zu machen.

Beginn eines ehrenamtlichen, niedrigschwelligen Deutschkurses für Mütter in den Räumen des Paulusheimes, um die Mütter der Kleinkinder, die externe Kurse nicht besuchen können, zu fördern. Der Schwerpunkt liegt auf der Bewältigung von Alltagssituationen: Einkaufen, Arztbesuche, Orientierung im Stadtteil.

Die dritte Weihnachtsfeier wird organisiert und gemeinsam im Paulusheim gefeiert.

 

2017

Im Januar findet ein von der Ehrenamtskoordinatorin organisierter Dankeschön-Abend in dem Pfarrsaal von St. Maria Magdalena statt: Die internationalen Bewohner des Paulusheimes kochen zusammen in der Küche des Pfarrheims von St. Maria Magdalena für die eingeladenen Ehrenamtlichen des Arbeitskreises. Der Abend wird auch durch einen Beitrag des Improvisationstheaters aus Köln gestaltet.

Seit Januar wird verstärkt versucht, die Bewohner in der beruflichen Integration zu unterstützen. Es wird versucht, ihnen bei der Zusammenstellung ihrer Lebensläufe zu helfen und sie werden unterstützt, Termine in den fachlichen Beratungsstellen zu bekommen.

Sehr intensiviert werden nun die Organisation von Möbelspenden-Abholung, Umzügen, Küchentransporten und die Unterstützung bei Wohnungsrenovierungen. Hierzu werden oft Transportfahrzeuge der evangelischen und katholischen Gemeinden genutzt, aber auch ein durch die Finanzierung der katholischen Gemeinde zur Verfügung gestellter Leihtransporter. Als Fahrer wechseln sich lange die ehrenamtlichen Bonner ab, seit Ende 2017 haben jedoch die ersten Geflüchteten ihre Führerscheinprüfungen bestanden und übernehmen seither ebenfalls regelmäßig Fahrdienste bei Transporten.

Ein Nachbarschaftsfest für Bewohner und Anwohner wird organisiert.

Einrichtung einer Feuerstelle im Garten durch die Pfadfinder, organisiert durch die katholische Organisation „Die Macher“. Eine Schaukel wird im Rahmen der Zurich-Community-Week aufgebaut.

Im Oktober besucht eine internationale Delegation (Gäste der Generalsynode der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands) die Trinitatisgemeinde. Geflüchtete und Ehrenamtliche berichten gemeinsam über die Arbeit und die hierbei gemachten Erfahrungen im Paulusheim.

Zwei im Paulusheim ehrenamtlich tätige Jugendliche erhalten den „Jugendpreis Zivilcourage der Stadt Bonn“ für die Unterstützung von jugendlichen Bewohnern im Paulusheim

In den Räumen von St. Maria Magdalena findet ein Bewerbungstraining für die Geflüchteten statt.

Erneut kann eine FSJ-Stelle über RAT & TAT finanziert werden. Von September 2017 bis Februar 2018 wird sie von einem jungen Mann besetzt, der sich unter anderem sehr stark in der Umzugsgruppe sowie bei der Nachhilfe einbringt.

Die vierte Weihnachtsfeier wird im Paulusheim gefeiert, wie bisher mit weihnachtlichem Gesang, Geschenken für die Bewohner, einem schönen internationalen Buffet. Nach dem Besuch des „echten“ Nikolauses hören wir u.a. ein Solo von „Jingle-Bells“ auf Arabisch und tanzen spontan gemeinsam zu kurdischen Liedern.

 

2018

Im Januar findet im Paulusheim eine Bewohner-Versammlung statt, in der die Bewohner über die geplanten Umzüge in die Wohncontainer am Reuterpark informiert werden.

Mitte Februar findet ein gemeinsames Abschiedsfest im Paulusheim statt. Die Teilnahme vieler ehemaliger Bewohner ist eine Anerkennung für die ökumenischen Ehrenamtlichen. Drei Bewohner danken mit einer persönlichen Rede auf Deutsch den Helfern aus Endenich für die erfahrene Hilfe (eine Mutter aus Eritrea, ein Vater aus Syrien und ein Vater aus Sri Lanka).

Am 17.02.2018 erhält die international besetzte Umzugs-Wohnungs-Möbel-Gruppe im Bereich innovativer Alltagshilfe den Marie-Kahle-Preis (700€), verliehen von dem Evangelischen Kirchenkreis Bonn und dem Diakonischen Werk Bonn und Region.

Im März beginnt ein junger Mann ein Praktikum im Rahmen seines Studiums „Soziale Arbeit“ bei der Trinitatiskirchengemeinde. Sein Einsatz im Bereich Organisation und praktischer Umzugshilfe am Paulusheim ist in dieser Phase eine sehr wertvolle Unterstützung.

An drei Terminen im März finden Umzüge der noch verbliebenen 81 Bewohner in die Wohncontainer in Bonn-Kessenich statt, unterstützt durch Ehrenamtlich. Kranke Bewohner und ihre Familien werden in einem Heim in Mehlem aufgenommen.

Bei der Arbeitskreissitzung im März wird beschlossen, die Sitzungen monatlichen Treffen zunächst auch nach der Schließung des Paulusheims fortzuführen, zum einen für den Erhalt des ehrenamtlichen Netzwerkes, zum anderen als Anlaufstelle für ehemalige Paulusheimbewohner und gegenwärtige/zukünftige Endenicher Geflüchtete.

Im April wird beschlossen, die Facebook-Seite zu schließen. Auf der Homepage soll eine Chronik der Flüchtlingshilfe Paulusheim veröffentlicht werden. Ehrenamtliche werden gebeten, von ihren Erfahrungen zu erzählen. Die Geschichten, die eingereicht werden, sind im folgenden zweiten Teil der Chronik zu lesen.

 Geschichten

Eine Geschichte aus der Kleiderstube 

Dienstagmorgens im Mai 2015, draußen regnet es. Ein älterer Herr kommt herein, die Brille beschlagen und voller Tropfen. Er trägt eine große helle Pappschachtel vor sich her. In der Kleiderstube viele Menschen aus allen Nationen, ziemlich laut und chaotisch. Er stellt die Schachtel auf den Tisch und fragt, ob er selbst auspacken darf. In der Schachtel sind drei wunderbar erhaltene Jacken von bekannten Markenherstellern. Die Kleidung ist jeweils in Seidenpapier eingeschlagen und sorgfältig gefaltet. Wir hängen alles der Größe nach auf. Da kommt schon ein Syrer. Eine Jacke passt. Er staunt sich im Spiegel an: ein neuer Mensch. Der alte Herr lächelt und geht.

A.S.

Ich bin Flüchtlingspatin und staune darüber, dass der tamilische Mann seine Unterlagen zu Schul- und Universitätsabschlüssen so komplett und sorgfältig in Plastikhüllen in einem Ordner hat. Das war damals ganz wichtig, sagt er. Immer wieder gab es überraschende Angriffe in der Nacht. Alle Männer griffen schnell nach ihrem Ordner, alle Frauen nach einem Säckchen mit dem Schmuck. Schnell rannte man in den Dschungel, verbarg sich dort die nächsten Tage und kam zurück; um alles wieder neu aufzubauen wenig später.

 A.S., B.

Schwimmlernkurs für 9 Flüchtlingskinder aus dem Paulusheim im Frankenbad

Ein Samstag vor den Herbstferien 2015. Ich laufe mit einem Zollstock und einigen Schwimm-Utensilien durch das Paulusheim und klopfe bei sieben Familien an, deren Kinder das passende Alter von neun und elf Jahren für einen gesponserten Schwimmlernkurs im Fran­kenbad haben. Hauptkriterium für die Teilnahme: Sie müssen größer als 1,20m sein. In mei­ner ersten Familie an diesem Tag lande ich bei einer Familie mit zehnjährigen Zwillingen aus Armenien. Einer der beiden Brüder war etwas schmächtiger und blickte mich ängstlich an, als ich den Zollstock an seinem Rücken anlegte, um ihn zu messen. 1,19m. Die Mutter und ich fanden das tolerabel und entschieden, seine Haare vor dem Beginn des Schwimmkurses nicht mehr zu schneiden, damit der Zollstock im Zweifel auf jeden Fall auf die geforderten 1,20m kommen würde. Er strahlte über das ganze Gesicht.

Von da an begleiteten mich die beiden Brüder durch die Gänge des Paulusheims. Der eine Junge mit dem ausgeklappten Zollstock und der andere mit zehn gespendeten Kultur­beuteln. Sie wurden kurzerhand zu Schwimmbeuteln umfunktioniert, damit die Kinder nach dem Schwimmen ihre nassen Badesachen nach Hause transportieren können.

An jeder Tür kamen mehr Kinder dazu, nicht nur die ausgewählten „Schwimmkinder“, son­dern auch kleinere Geschwisterkinder und Freunde, für die unser Tross einfach eine Abwechslung war. Am Ende hatte ich neun Kinder zusammen, deren Eltern die Einverständ­niserklärung des Schwimmvereins zur Teilnahme unterzeichnet haben.

Anschließend zogen wir alle, d.h. etwa 20 Kinder, neun davon mit leuchtend gelben Kultur­beuteln winkend, darunter der Zollstock-Träger mit dem immer noch aufgeklappten Zollstock durch Haus A, B und C hin zur Kleiderkammer. Dort stöberten wir dann gemeinsam durch die vom Kleiderkammer-Team zuvor freundicherweise gesammelten Badeanzüge und Badehosen, auf der Suche nach dem passenden Outfit.

Der Schwimmkurs hatte noch nicht begonnen, aber schon diese drei Stunden im Paulusheim waren für uns alle ein echtes Erlebnis!

Das Wichtigste: Alle neun Kinder hatten bei dem fünftägigen Schwimmlernkurs einen Riesen­spaß! Ein neunjähriges Mädchen und ein elfjähriger Junge haben das „Seepferdchen“-Abzeichen geschafft. Die übrigen sieben Kinder konnten das „Frosch“-Abzeichen erreichen.

A.M.

Ich habe einer syrischen Familie hier in unserer Siedlung ein Sofa angeboten und sie gebeten, es sich einmal anzusehen, ob es ihnen gefällt.

Dann stand der Familienvater vor unserer Tür. Ich reichte ihm zum Gruß die Hand, die er auch annahm. Aber er fügte noch eine Geste hinzu, die wohl aus seiner Heimat kommt. Er führte seine rechte Hand zum Herzen hin und verbeugte sich leicht. Ich fand das so berührend und finde immer noch, dass es eine wunderschöne Geste ist, die nicht so schnell allen Integrationsbemühungen geopfert werden sollte.

R.W.

Mit meinem Text möchte ich an ein kleines Mädchen aus dem Kosovo erinnern.

Ihren Namen habe ich geändert.

Amelia habe ich in der Grundschule kennengelernt. Obwohl sie schon fast neun war, ging sie in die zweite Klasse, weil ihre Wissenslücken so groß waren. Im Kosovo hatte sie nicht viel lernen können. Allein allen Stoff aufzuholen, war kaum möglich, und ihre Eltern waren nicht in der Lage, ihr zu helfen.

Also übten wir Deutsch in der Schule, lasen Geschichten, dachten uns Spiele aus und hatten zusammen viel Spaß. Beim Spielen und Erzählen sowieso, aber öfters auch beim Rechnen, obwohl wir das beide eigentlich nicht gerne machten. Immer wieder das kleine Einmaleins, Aufgaben und Lösungen auf Karten in einem Kästchen, das sie mit nach Hause nehmen durfte. Manchmal schaffte sie es tatsächlich, nachmittags im Paulusheim zu lernen – trotz der Enge, in der die Familie mit sechs Personen lebte, und trotz ihrer Verpflichtungen: Amelia dolmetschte für alle, sie war für die Ordnung in einem der beiden Zimmer verantwortlich und kümmerte sich viel um den kleinsten ihrer drei Brüder. Weil sie so freundlich und fürsorglich war, gab es überall kleinere Kinder, die den Kontakt mit ihr suchten.

Irgendwann trafen wir uns auch hin und wieder nachmittags, auf ein Eis oder für kleine Erledigungen wie einen Arztbesuch. Amelia erzählte mir von ihrem Leben im Kosovo, dem kaputten Haus ihres Opas, von Armut und schlagenden Lehrern in der Schule und Freundinnen, die zurückgeblieben waren. Aus den Gesprächen der Erwachsenen wusste sie, dass der Aufenthalt ihrer Familie in Deutschland unsicher war, und das beschäftigte sie sehr. Als die Ausreiseaufforderung kam, begannen wir, uns zu verabschieden: Vielleicht ist das jetzt der letzte Nachmittag, den wir zusammen verbringen; das letzte Märchen, das wir gemeinsam lesen. Ein kleines Geschenk zum Mitnehmen.

Die Klassenlehrerin hatte die Kinder irgendwann gefragt, was sie mal werden wollten – Schauspielerin, Arzt, Pilot … Amelia wollte Verkäuferin werden. In der Nähe ihrer Schule ist eine kleine Bäckerei, ich glaube da hätte sie wunderbar hingepasst!

Als ich nach den Ferien im Paulusheim nach ihr suchte, machte eine fremde Frau die Tür auf und sagte freundlich: „They have gone.

M.B.

Während meiner Studienzeit in Bonn habe ich mit einer Freundin mehrere Jahre einen wöchentlichen Deutschkurs im Paulusheim angeboten, zu dem eine mehr oder weniger feste Gruppe aus Eritreern und Eritreerinnen kam, die noch keinen offiziellen Kurs hatte. Viele von ihnen, die am Anfang noch sehr schüchtern waren, blüten im Laufe der Zeit auf und trauten sich immer mehr auf Deutsch zu sagen oder sogar Witze zu machen. Wir feierten zusammen ein Weihnachtsfest und waren zum eritreischen Osterfest eingeladen. Im Kurs machten wir auch ein bisschen Landeskunde und beschäftigten uns daher rund um den 11. November mit der Geschichte von St. Martin. Aus dieser Stunde ist mir ein Missverständnis in Erinnerung geblieben, das mich noch immer zum Schmunzeln bringt. Nach dem wir uns einen kleinen YouTube-Film über St. Martin angeschaut hatten, fragte ein Teilnehmer irritiert nach, ob dieser Martin denn nun ein Mann oder eine Frau gewesen sei. Ich war irritiert und fragte nach, wie er darauf komme, dass es eine Frau gewesen sein könne. Da konfrontierte er mich mit dem Stoff der letzten Kursstunden: Die Regel war doch, dass ein Lehrer ein Mann ist und eine LehrerIN eine Frau, ein Polizist ein Mann und eine PolizistIn eine Frau. Daher müsste MartIn doch jetzt eine Frau sein. Ich musste lachen und erklärte ihm, dass es keinen Heiligen Mart gab und –  wie so oft – dass die deutsche Sprache einfach viele Tücken zu bieten hat.

S.L.

Fußball-Glück: mehr als nur ein Sommer-Märchen!

Wie alles anfing? Ein schlapper, flatternder Ball und fußballbegeisterte Kinder auf dem Rasen vor dem Paulusheim. Schnell bei Knauber einen neuen Lederball samt Pumpe gekauft und schon rollte und sprang der Ball ganz anders.

Dann das Interesse der „Großen“: also auf zum Sportplatz Endenich, Probetraining mit der „Zweiten“ des FV Endenich 08. Sah für mich ganz gut aus! Beim zweiten Mal hatte der Trainer leider kein Interesse an einem weiteren Miteinander („schon zu viele Leute für die Mannschaften“). Auch kein Erfolg bei RW Lessenich, dafür bei der ASG Uni Bonn mit Training auf dem Kunstrasenplatz Bonn-Buschdorf.

Der erste Glücksfall: Dominik, Jonas und andere Studenten; sie holten ab dem Frühjahr 2015 die Fußballer vom PH ab, spielten mit ihnen und brachten sie wieder zurück. Anfangs auf der Sportanlage Endenich an der Josef Strunck-Halle mittwochs ab 17. 00 Uhr. Mit der Verlegung von Kunstrasen auf dem Sportplatz war jedoch Schluss: Vorrang für Vereine und Schulsport, auch kein halber Platz und auch kein Flutlicht –  eben kein „eingetragener Verein“ hieß es beim Sportamt. Das angebotene Zeitfenster –  vor 16.30 Uhr –   für viele Flüchtlinge, da berufstätig, nicht machbar. Die Alternative –  der Hartplatz Siemensstraße –  war schon von der Entfernung her keine; deshalb Umzug zum Sportplatz des EMA-Gymnasiums.

Der erste Sommer ging vorbei. Was aber im Winter und bei schlechtem Wetter?

Der nächste Glücksfall: Dr. Hossein Pur Khassalian, als gebürtiger Iraner 1957 mit 19 Jahren nach Deutschland ausgewandert und vielen aus seinem Engagement für den muslimisch-christlichen Dialog bekannt, bekleidet zugleich das etwa profanere Amt, das die Vergabe von Sporthallen in Bonn und Umgebung zur Aufgabe hat. Viele Hallen waren zu dem Zeitpunkt aber zu Unterkünften für Flüchtlinge umgewidmet worden. Hossein konnte für unser Team dennoch eine regelmäßige Hallenzeit freitags ab 19.30 in der Ludwig-Richter-Schule besorgen. Die Kosten für die Nutzung der Halle hat dankenswerterweise die Iranische Gesellschaft in Bonn e.V. übernommen.

Woher aber Hallenschuhe und Sportkleidung für rund 20 Personen bekommen? Glücksfall Nummer drei: Die Wolfgang und Doris Schöbel-Stiftung unter dem Dach der Bürgerstiftung Bonn. Das Ehepaar Schöbel spendete einen überaus großzügigen Betrag für Leibchen und Schuhe. Hinzu kam ein namhafter Betrag von Hossein, was auch noch für die Ausstattung anderer Sportlerinnen und Sportler des PH reichte.

Gut gerüstet mit Sportbekleidung und einem der seltenen Hallenplätze hatte die „Paulusia“, wie sich die Sportler scherzhaft nannten, bis in den April 2018 Bestand. Mit dem Ende des Paulusheims wurde auch die Fußballrunde schlechter besucht; zudem fehlte den mittlerweile nicht mehr studierenden Stützen der Gruppe zunehmend die Zeit. Die Hochphase der Gruppe ist leider vorbei, dennoch wird der Kontakt bis heute über diverse Kanäle gehalten, auch wenn nur noch selten gekickt wird.

W.K.